Karrierechancen in der Medizin – Das sagen Ärztinnen

Sie sind jung, motiviert und hochqualifiziert – aber wie bewerten sie ihre Karrierechancen? Knapp eine Woche lang hat Takeda Oncology gemeinsam mit DocCheck Studentinnen der Medizin und Ärztinnen unter 45 Jahren aus der Klinik zum Thema „Karriere junger Ärztinnen“ befragt. Die Reaktionen auf unsere Umfrage zeigen deutlich, wie sehr das Thema junge Frauen beschäftigt. Gefragt nach abschließenden Bemerkungen reichten die Antworten von „Gute Umfrage, wichtiges Thema“ zu „Ich habe resigniert“. Hier kommen die spannendsten Ergebnisse! 

Weiche Faktoren bestimmen die Karrierechancen 

Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass in der Wahrnehmung junger Medizinerinnen „weiche“ Faktoren über Karriere und Beförderung entscheiden. So wird die Förderung durch Kollegen und Vorgesetzte mit Abstand als der wichtigste Faktor für eine Karriere angesehen: 84 % der Befragten stimmten zu. 

Die fachliche Expertise wird nur von 52 % der Befragten genannt und ist damit in der Wahrnehmung nur der zweitwichtigste Faktor. Darauf folgt direkt ein weiterer weicher Einflussfaktor: Das berufliche Netzwerk wird von 42 % als wichtig eingestuft. 

Wissenschaftliche Publikationen werden hingegen nur von 30 % als entscheidend für eine Karriere angesehen, Behandlungserfolge bei Patienten nur von 16 %.

Karrierechancen werden als schlecht eingeschätzt

Knapp die Hälfte der Befragten schätzen die Karrierechancen für Frauen in der Medizin nur als mittelmäßig ein, 22 % sogar als schlecht. Nur 12 % schätzen ihre Chancen als sehr gut ein, 18 % als gut. 

Insbesondere Ärztinnen in der Altersklasse 35 bis 39 Jahre nehmen die Chancen von Frauen in der Medizin als deutlich schlechter wahr als Befragte aus anderen Altersgruppen: Nur 16% schätzen die Chancen als (sehr) gut ein, 42% als schlecht. Die schlechten Werte in dieser Altersklasse sind besonders aussagekräftig. Anfang 30 ist die Facharzt-Ausbildung vielfach abgeschlossen. Ausgerechnet in dieser Lebensphase, in der sie mit der Karriere durchstarten könnten, scheinen viele junge Ärztinnen zu spüren, dass sie an eine Glasdecke stoßen. Erst ab über 40 wird die Einschätzung der Karrierechancen wieder besser.

Gesellschaftliche Gründe & Benachteiligung 

Gefragt nach den Gründen für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen, verweisen die Befragten auf die beruflichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Wie auch in anderen Branchen wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als größte Herausforderung für eine Karriere gesehen. So werden der Mangel an Karrieremöglichkeiten in Teilzeitbeschäftigung (80 %), unzureichende und unflexible Kinderbetreuungsangebote (68 %) sowie lange/unflexible Arbeitszeiten (62 %) als Hauptgründe für das Fehlen von Frauen in Führungspositionen angeführt.

In der Umfrage zeige sich auch, dass viele junge Ärztinnen das Gefühl haben, aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt zu werden. 56 % gaben an, dass männliche Kollegen bei Neueinstellungen und Beförderungen bevorzugt werden. Über ein Viertel (26 %) der Befragten ist der Ansicht, dass es schwierig sei, sich als Frau in der Medizin durchzusetzen. 

Allerdings geben die befragten Medizinerinnen auch an, dass Frauen sich bezüglich der Karriere zu wenig zutrauen (32 %), ihre Karriere oft nicht so wichtig nehmen (32 %) und auch zu wenig nach höheren Positionen streben (38 %).

Dies bestätigt unsere Umfrage: 42 % der Befragten strebten eine Position als Oberärztin an, leitende Oberärztin wollten hingegen nur 16 % werden, Chefärztin nur 10 %. Eine Professur streben nur 6 % der Befragten an.

Betrachtet man nur die Ärztinnen aus dem Fachbereich Innere Medizin, ergibt sich eine Abweichung: Hier strebten 19 % eine Professur an. Dies ist umso bemerkenswerter, da in der Inneren Medizin nur 3 % der Führungspositionen von Frauen besetzt sind.1

Ebenso bemerkenswert: Betrachtet man die unterschiedlichen Altersstufen, so fällt auf, dass von den Ärztinnen, die über 40 Jahre alt sind, 54 % eine Position als Oberärztin anstreben. Dies zeigt sehr deutlich, dass es zahlreichen Ärztinnen in einem klinischen Umfeld nicht gelingt, in den entscheidenden Jahren nach dem Studium Karriere zu machen.

Klare Zukunftswünsche 

Junge Ärztinnen haben klare Vorstellungen, was sie sich für die Zukunft wünschen. So sprechen sich 80 % für gezielte Angebote zur Karriereplanung für junge Medizinerinnen aus. Des Weiteren stimmen 70 % der Aussage zu, dass erfolgreiche Frauen in der Medizin als Karriere-Vorbilder stärker sichtbar gemacht werden sollten. Zudem sollten berufliche Netzwerke für Frauen geschaffen werden (66 %) und eine stärkere öffentliche Debatte über die mangelnden Karriereoptionen für Frauen stattfinden (60%).

Über unsere Umfrage: 

Für unsere Studie zu Karrieren junger Ärztinnen befragten wir in Kooperation mit DocCheck fünfzig Studentinnen der Medizin und Ärztinnen unter 45 Jahren. Davon waren 50 % unter 35 Jahre alt, 24 % waren im Alterssegment von 35 bis 39 Jahren, 26 % waren im Alterssegment von 40 bis 45 Jahre. 32 % hatten den Fachbereich Innere Medizin, 68 % hatten einen anderen Fachbereich. Die Befragten waren entweder noch im Studium oder an einer Klinik angestellt. Die Umfrage wurde vom 4. bis zum 8. Juli 2017 auf DocCheck durchgeführt.

  1. Deutscher Ärztinnenbund (2016): Medical Women on Top: Dokumentation des Anteils von Frauen in Führungspositionen in 16 Fächern der deutschen Universitätsmedizin, S. 2f.


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Zuletzt aktualisiert: 13.07.2018