Frauen in der Onkologie: Eine Situationsanalyse

Chancengleichheit, Gleichberechtigung, Frauenquote – dies sind nicht nur in der freien Wirtschaft aktuelle Themen, sondern auch im Gesundheitswesen. Oder zumindest sollten sie das sein, denn Zahlen und Fakten bestätigen: Frauen nehmen in der Medizin deutlich seltener leitende Positionen ein als Männer.

Die Führungsriege in der Medizin ist männerdominiert

Aktuellen Zahlen zufolge sind über 60 Prozent der Studienanfänger in der Medizin Frauen. Blickt man auf die Führungsposition in Kliniken, stellt man fest, dass diese überwiegend von Männern besetzt sind: Der Anteil von Ärztinnen in Leitungsfunktionen in Krankenhäusern liegt bei 26 Prozent, Chefarztpositionen sind zu ca. 8 bis 10 Prozent mit Frauen besetzt und W3/C4-Professuren nur mit 5,6 Prozent.1

Eine ähnliche Situation zeigt sich im Fachbereich der Onkologie/Hämatologie: Im Rahmen einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) gaben 18 Prozent der befragten Ärzte an, als Chefarzt zu arbeiten, bei den Frauen hingegen nur 6 Prozent. In der Kategorie „Chefärztin/Chefarzt inkl. Lehre & Forschung“ war das Geschlechterverhältnis noch deutlicher: 12 Prozent der befragten Ärzte arbeiten in dieser Position, jedoch keine der befragten Ärztinnen. Aktuell gibt es in Deutschland keine Professorin, die einen Lehrstuhl für Hämatologie oder Onkologie besetzt.2

Welche Faktoren führen zum Karriereknick? 

Warum Onkologinnen nur selten in diese Führungspositionen aufsteigen – diese Frage wird bisher nur ungenügend unbeantwortet. Die DGHO ist dem Thema in ihrer Umfrage bzw. Schriftenreihe3 nachgegangen und listet mehrere Gründe auf: Wenig Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten und -modelle insbesondere für Familien, Erwartung hoher Präsenzzeiten vor allem in Führungspositionen, Rollenstereotypen, mangelnde Fähigkeit der Frauen Forderungen zu stellen und auch fehlendes Angebot an Kinderbetreuung. 

Anfang 2016 wurden Ergebnisse einer Erhebung des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) veröffentlicht, welche die Situation von Medizinerinnen über eine große Bandbreite an Disziplinen bestätigt. Der DÄB stellt weiterführende Fragen zu den Hintergründen, die auf Basis von aktuellen Studien und Erhebungen noch nicht beantwortet werden können, aber großen Einfluss auf die Karrierewege von Frauen in der Medizin haben: Werden Frauen weniger für Forschungsaufgaben „freigestellt“? Fehlt die Unterstützung und Weiterempfehlung durch die meist männlichen Vorgesetzten, insbesondere bei der in Deutschland immer noch unumgänglichen Habilitation? Fehlen berufliche Netzwerke? Werden Frauen ausgegrenzt? Warum kommen die fachärztlich-qualifizierten Frauen, die oft bereits habilitierte Oberärztinnen sind, nicht auf die Lehrstühle oder in die Funktion der Klinikdirektion? Diese essentiellen Fragen gilt es in Zukunft noch zu beantworten, um dann entsprechende Maßnahmen zu einer verbesserten Ausgangsituation für Frauen in der Medizin zu schaffen.

Um Ansatzpunkte für die gezielte Unterstützung von jungen Ärztinnen, die ihre selbst gesteckten Karriereziele erreichen wollen, zu bestimmen, hat Takeda Oncology eine weitere Umfrage durchgeführt. Wir haben 50 Ärztinnen unter 45 Jahren gefragt, welche Faktoren ihrer Wahrnehmung nach ausschlagebend sind für Erfolge und Misserfolge in der Karriereplanung und welche Angebote zur Karriereplanung sie sich wünschen. Die Ergebnisse unserer Studie finden Sie hier.

Einen Überblick über zusätzliche Studien, Artikel, Interviews und Arbeitsgruppen, die sich mit Chancengleichheit auseinandersetzen, haben wir hier zusammengestellt

  1. Deutscher Ärztinnenbund (2014b): Pressemitteilung „Die Zukunft der Medizin ist noch lange nicht weiblich“, 22. Mai 2014. Online unter http://www.aerztinnenbund.de/Die-Zukunft-der-Medizin-ist-noch-lange-nicht.2223.0.2.html. Letzter Abruf: 25.09.2017.

  2. Deutsche Krebsgesellschaft. Onko-Internetportal. Interview Prof. Lüftner – DGHO Frühjahrstagung. Online unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/aktuelle-themen-2015/interview-prof-lueftner-dgho-fruehjahrstagung.html. Letzter Abruf: 25.09.2017.

  3. DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.: Gesundheitspolitische Schriftenreihe der DGHO. Die berufliche Situation von Frauen in der Hämatologie und Onkologie. Fakten und Forderungen. 2014. Band 5. Online unter: https://www.dgho.de/informationen/gesundheitspolitische-schriftenreihe/band-5/dgho_schriftenreihe_Bd5-2014_web.pdf. Letzter Aufruf: 02.10.2017


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Zuletzt aktualisiert: 22.05.2018