Nur drei Prozent der Führungspositionen in der inneren Medizin/Onkologie sind derzeit von Frauen besetzt.1 Dabei streben knapp 60 Prozent der Ärztinnen eine Position als (leitende) Oberärztin an, wie unsere gemeinsame Umfrage mit DocCheck Karrierechancen in der Medizin – Das sagen Ärztinnen gezeigt hat. Die Gründe für diesen geringen Frauenanteil in Führungspositionen sind vielfältig und oftmals mit Rahmenbedingungen, wie mangelnder Kinderbetreuung, verknüpft. Doch abseits dieser gibt es Stellschrauben, an denen Ärztinnen drehen können, um ihre Karriere aktiv voranzutreiben. Eine dieser Stellschrauben ist der eigene Führungsstil.

Vorweg sei gesagt: Es gibt ihn nicht, den einen richtigen Führungsstil. Gute Führung wird oft mit männlichen Attributen, wie Machtbewusstsein und Autorität, verbunden. Entsprechend wird das Gefühl vermittelt, dass Frauen diese männlichen Eigenschaften kopieren müssten, um Erfolg zu haben und als Führungsperson respektiert zu werden. Indessen sollte der Ansatz ein anderer sein: Der individuelle Führungsstil lässt sich am besten – und am authentischsten – aus dem eigenen Selbstverständnis heraus entwickeln. Das bedeutet, seine eigenen Stärken und Schwächen zu identifizieren und zu lernen, diese bewusst einzusetzen. Gleichzeitig ist es wichtig, sich für die unterschiedlichen Arten von Führung im eigenen Umfeld zu sensibilisieren.

Grundsätzlich gilt: Mein Führungsstil muss zu meiner Person passen und ich muss mich damit wohl fühlen. Doch wie entwickle ich meinen eigenen Führungsstil? Wir haben die wichtigsten Tipps für Sie zusammengestellt:

1. Der Blick nach innen: Reflektieren Sie Ihr Verhalten und setzen Sie Ihre Stärken ein

Wir alle, ungeachtet unserer Position, führen, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind – beispielsweise bei der Visite oder der Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Machen Sie sich diese Momente bewusst und reflektieren Sie: Wie verhalte ich mich in Situationen, in denen meine Führung gefordert ist? Fühle ich mich dabei wohl? Wie reagiert mein Umfeld auf mein Verhalten? Und an welchen Punkten kann und möchte ich arbeiten, um meinen Führungsstil auszubauen?

Zudem sollten sich Ihre persönlichen Stärken in Ihrem Führungsstil widerspiegeln. Denn auf Ihre Fähigkeiten können Sie sich verlassen und auch in schwierigen Situationen Selbstvertrauen aus ihnen schöpfen. Machen Sie sich also Ihrer Stärken bewusst und setzen Sie diese gezielt ein. Hierbei können Sie sich Hilfe holen: Bitten Sie beispielsweise eine Kollegin oder einen Kollegen, Ihnen Feedback zu geben, wie Sie auf andere wirken und was aus ihrer Sicht Ihre Stärken sind – denn oftmals sind wir uns dieser ja (noch) gar nicht bewusst.

2. Der Blick nach außen: Analysieren Sie das Verhalten anderer

Aus dem Verhalten der eigenen Vorgesetzten können wir viel lernen und ableiten. Beobachten Sie also andere in Führungssituationen und fragen Sie sich, was Ihnen an deren Vorgehen gefällt und was eher nicht. Fühlen Sie sich wohl, auf diese Weise geführt zu werden? Ist diese Art der Führung zielführend und welche Verhaltensweisen möchten Sie für Ihren Führungsstil adaptieren? Und dann probieren Sie es aus! Nur wenn Sie tatsächlich führen und neue Methoden ausprobieren, merken Sie, welche Art der Führung Ihrer Persönlichkeit entspricht.

3. Der Blick nach vorne: Definieren Sie (Zwischen-) Ziele

Eins nach dem anderen: Überlegen Sie sich, wo Sie sich langfristig sehen und welche Führungsposition Sie anstreben. Dann definieren Sie mögliche Zwischenschritte, die Sie auf Ihrem Weg erreichen wollen und die Sie auf eine leitende Position vorbereiten. Ein mögliches Zwischenziel zur Entwicklung Ihrer Führungsqualitäten kann beispielsweise die Zusammenarbeit mit einer Mentorin oder bestimmte Weiterbildungen, wie Trainings zum Thema Körpersprache und Kommunikation, sein. Das Erreichen dieser Meilensteine bestärkt Sie auf Ihrem Weg in eine Führungsposition. Hilfreiche Tipps über den Einfluss der Körpersprache und wie Sie diese im Alltag gezielt einsetzen können, finden Sie beispielsweise auch in unserem Blogbeitrag Körpersprache im Job – bewusst einsetzen und profitieren.

  1. Deutscher Ärztinnenbund (2016): Medical Women on Top: Dokumentation des Anteils von Frauen in Führungspositionen in 16 Fächern der deutschen Universitätsmedizin, S. 2f.

Zuletzt aktualisiert: 16.01.2019
Die Medizin ist weiblich: Rund 60 Prozent aller Studienanfänger in der Medizin in Deutschland sind Frauen. Zunehmend drängen junge Ärztinnen in Kliniken, wo die Chefetage jedoch unverändert von Männern dominiert wird. Es ist an der Zeit, das zu ändern und die eigene Karriere bewusst selbst in die Hand zu nehmen. Denn oft sind es schon Kleinigkeiten...