Die Medizin ist weiblich: Rund 60 Prozent aller Studienanfänger in der Medizin in Deutschland sind Frauen. Zunehmend drängen junge Ärztinnen in Kliniken, wo die Chefetage jedoch unverändert von Männern dominiert wird. Es ist an der Zeit, das zu ändern und die eigene Karriere bewusst selbst in die Hand zu nehmen. Denn oft sind es schon Kleinigkeiten, die jede Einzelne ändern kann, die aber eine große Wirkung haben können.

Körpersprache – eine bekannte und doch unbekannte Größe

Fachliche Kompetenz und Leistung reichen heutzutage oftmals nicht aus, um zu überzeugen. Da kommt die Frage auf: Was also dann? Entscheidend für den beruflichen Erfolg ist auch eine gute, stimmige Körpersprache. Nur dann, wenn das Gesamtbild aus Argumentation und nonverbalen Signalen kongruent ist, kommt die Botschaft beim Gegenüber an – wir wirken überzeugend. Für die Körpersprache sind direkte Kommunikationsformen wie Körperhaltung, Gestik, Mimik und Blickverhalten relevant. Ihnen nachgelagert sind indirekte Formen, wie z.B. Stimme und Körpergröße. Es lohnt sich daher, Strategien und Techniken zu erlernen, um die Körpersprache effektiv einzusetzen.  

Die eigene Körpersprache (er)kennen

Haben Sie nicht auch schon mal im Gespräch mit Kollegen unbewusst mit dem Kugelschreiber herumgespielt, sich am Kopf gekratzt oder die Finger im Arztkittel vergraben? Dies sind Gesten, die beim Gegenüber Nervosität und Unsicherheit suggerieren können, die wir selbst oftmals aber gar nicht wahrnehmen. Daher gilt: Nur wer die eigene Körpersprache versteht, kann an Stellschrauben drehen, um sie bewusst für den eigenen Erfolg einzusetzen. Eine gute Wahrnehmung von sich selbst sowie anderen zu entwickeln und zu erkennen, wie man auf die Mitmenschen wirkt, ist daher enorm wichtig. Dann ist es möglich, die „Stellschrauben“ zu entdecken und beispielweise mit nur kleinen Anpassungen in der Haltung oder Bewegung eine spürbare Wirkung zu erzielen.

Erfahren Sie hier mehr über die wichtigsten Tipps zum Thema Körpersprache im Klinikalltag.

Körpersprache und Selbstbewusstsein – eine erfolgversprechende Allianz

Die Signale der Körpersprache sind oft subtil – aber sie folgen klaren Grundprinzipien. Wir haben für Sie die wichtigsten Tipps zusammengefasst, die Ihnen helfen, im Klinikalltag ein Plus an Selbstsicherheit und Souveränität auszustrahlen:

Tipp Nr. 1: Eigenwahrnehmung schärfen

Zu Beginn steht ein körperliches und mental bewusstes Auftreten. Vor jeder Arztbesprechung, vor jeder Visite sollten Sie sich deshalb fragen: Wie fühle ich mich? Wie nehme ich mich wahr? Wie kann ich mich fachlich konstruktiv einbringen und welche Mimik und Gestik unterstreicht dies? Beobachten Sie sich und probieren Sie es vor dem Spiegel aus, welche nonverbalen Signale zu Ihnen passen. Und bitte denken Sie daran, authentisch zu bleiben.

Tipp Nr. 2: Sich Zeit nehmen

Es ist Visite, alle sind in Eile. Nur Sie fassen sich bewusst kurz, damit nicht zu viel Zeit verloren geht… – Stop! Wichtigen Informationen gebührt Raum – geben Sie sich diesen! Sprechen Sie dabei ohne Eile und deutlich. Machen Sie (Atem-)Pausen. Berichten Sie fokussiert das Wesentliche, damit Ihre wichtigen Botschaften auch ankommen.

Tipp Nr. 3: Raum ausfüllen

Im Klinikalltag ist stets Schnelligkeit gefordert. Umso wichtiger ist es, einen Raum ruhig und insbesondere in aufrechter Körperhaltung zu betreten. Das wirkt selbstbewusst und verleiht Ihnen Präsenz. Dadurch nehmen Sie mehr Platz ein und werden automatisch als wichtiger wahrgenommen. Beobachten Sie sich: Wie ist meine Körperhaltung, stehe ich mittig in der Achse? Wie fühlt es sich an? Welche Pose verleiht mehr Platz, lässt mich souveräner wirken? Und dann ändern Sie einfach eine Kleinigkeit.

Tipp Nr. 4: Gesten verlangsamen

Das Gesprochene durch passende Gestik unterstreichen? Generell ja! Doch je aufgeregter und unsicherer wir sind, desto hektischer und größer werden Hand- und Armbewegungen. Solche Bewegungen zu unterdrücken, ist nicht der Schlüssel. Auch nicht, sich an Armlehnen oder Schreibgeräten festzuklammern oder Hände in den Hosentaschen oder unter der Tischplatte verschwinden zu lassen. Langsamkeit ist hier das Gebot der Stunde. Oft reicht es schon aus, Gesten zu verlangsamen, um mehr Souveränität auszustrahlen.

Tipp Nr. 5: Auf Kopfbewegungen achten

Beobachten Sie Ihre Kollegen/innen bei der Visite: Vom Chefarzt unerwartet angesprochen, fasst sich die Mehrheit beispielsweise an Nase oder Kinn und wird zudem am Satzende zustimmend mit dem Kopf nicken. Typische Gesten von Unsicherheit. Viele neigen in solchen Situationen dazu, den Kopf einzuziehen und die Schultern hängen zu lassen – sie machen sich klein. Wenn Sie das nächste Mal vor einer Herausforderung stehen, nehmen Sie eine gelassene, aber bestimmt machtvolle Pose ein: Also Kopf hoch, Brust raus, um den Oberkörper aufzurichten. Und vermeiden Sie ruckartige, schnelle Drehungen mit dem Kopf. Sie werden sehen, dies wirkt nachhaltig machtvoll. Und wohlgemerkt – nicht nur im Krankenzimmer oder Besprechungsraum.

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2018
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