Grußwort Professor Dr. Monika Engelhardt, Universitätsklinik Freiburg

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

unsere Berufung und unser Beruf ist es, Menschen mit zum Teil schweren oder sogar lebensbedrohlichen Krankheiten zu helfen. Deshalb sind wir Ärztinnen geworden.

Dass Frauen wie wir uns für diesen Weg entscheiden können, war nicht immer selbstverständlich. Vor etwa 100 Jahren wurden Frauen erstmals für das Studium der Humanmedizin zugelassen.1

Seit nunmehr über 20 Jahren liegt der Anteil an Frauen unter den Medizinstudenten bei über 50 Prozent – im Jahr 2014 waren es sogar über 60 Prozent.2  Wir Frauen bilden heute eine entscheidende Säule, um die medizinische Versorgung auch in der Zukunft sicherzustellen.

Allerdings schaffen es nur wenige von uns, in leitende Stellen und Führungspositionen aufzusteigen. Zahlen belegen: Bei den Chefarztpositionen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert und zum aktuellen Zeitpunkt bekleidet in Deutschland keine einzige Professorin einen Lehrstuhl für Hämatologie oder Onkologie.3 Doch diese Situation nehmen wir als Herausforderung zum Handeln an: Was sind die Gründe? Und was kann jede Einzelne von uns zu einer Veränderung beitragen?

Selbstverständlich ist die Veränderung von Rahmenbedingungen notwendig und seit Langem überfällig. Dazu zählen erhöhte Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten und -modelle, insbesondere für Familien, sowie eine Überarbeitung von veralteten, restriktiven Anforderungen der ärztlichen Weiterbildungsordnung. Hier gilt es, auf verschiedensten Ebenen an Lösungen und Verbesserungen zu arbeiten und aktiv zu werden. Wir Ärztinnen müssen stärker als bisher in Entscheidungsgremien vertreten sein – auf Bundes- und Landesebene genauso wie innerhalb der Forschungsverbände. Unterstützung und Angebote im Kollegenkreis, Initiativen der Fakultäten, Beratung, Gruppeninitiativen von Gleichstellungsbüros, Mentee-Mentorenprogramme und Interessensverbünde sind hilfreiche Angebote, die noch weiter ausgebaut werden können und müssen.

Es gibt auch Punkte, an denen jede Einzelne von uns arbeiten kann. Nicht nur in der Medizin, sondern auch in der freien Wirtschaft erleben wir, dass Männer erfolgreicher darin sind, sich zu „verkaufen“, Forderungen zu stellen und in der Folge die Karriereleiter zu erklimmen. Wir sind der Meinung, dass wir Frauen dies ebenso gut können.

Aus diesem Grund setze ich mich aus voller Überzeugung als Schirmherrin für die Initiative von Takeda Oncology Deutschland ein, Frauen in der Onkologie gezielt in der Verwirklichung ihrer individuellen Karriereziele zu unterstützen. Gleichberechtigt, auf Augenhöhe, und auch in enger Zusammenarbeit mit unseren männlichen Kollegen können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern, davon bin ich fest überzeugt.

Herzlichst, Ihre Professor Dr. med. Monika Engelhardt

  1. DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.: Gesundheitspolitische Schriftenreihe der DGHO. Die berufliche Situation von Frauen in der Hämatologie und Onkologie. Fakten und Forderungen. 2014. Band 5

  2. Deutscher Ärztinnenbund. Medical Women on Top. Dokumentation des Anteils von Frauen in Führungspositionen in 16 Fächern der deutschen Universitätsmedizin. Stand: Januar 2016.

  3. Deutsche Krebsgesellschaft. Onko-Internetportal. Interview Prof. Lüftner – DGHO Frühjahrstagung. Online unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/aktuelle-themen-2015/interview-prof-lueftner-dgho-fruehjahrstagung.htm. Letzter Abruf: 25.09.2017.


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