Tag 4: Von Beauvais nach Paris– jour de triomphe

Das Anstrengendste kommt zum Schluss! Der letzte Tag war angebrochen und erschöpft aber zielsicher traten wir nochmal in die Pedale, um die letzte Etappe nach Paris in Angriff zu nehmen. Auch wenn uns „nur“ 100 km von der ersehnten Einfahrt in die französische Hauptstadt trennten, muss man sagen: Die Strecke hatte es in sich. Es ging hoch und runter, die Beine waren schwer. Unsere „Ride Captains“ haben auch am letzten Tag nochmal alles gegeben, um uns zu motivieren – mit Erfolg. Denn heute wussten wir ja: Das Ende ist nah! 

Die letzten Kilometer durch die Landschaft haben wir sehr genossen. Wobei an der Stelle noch ein Detail erwähnt sei: Ich hätte mir nicht träumen lassen, wie viele Kollisionen mein Kopf mit diversen Insekten machen würde – und wie viele von ihnen auch leider den direkten Weg in meinen Mund finden würden. Mein Körper wird für die zwar unfreiwillige, aber kontinuierliche Proteinversorgung dankbar gewesen sein. 

Wir sind heute ab dem letzten Lunch-Stopp alle gemeinsam gefahren und ganz privilegiert mit der Motorrad-Eskorte in Paris eingefahren. Wann erlebt man so etwas schon mal?! Allerdings war die Stadt-Atmosphäre nach drei Tagen Natur pur erstmal ein richtiger Kulturschock. Und: Auch in Paris sind die Strecken nochmal sehr, sehr lang. Und Hügel gibt es auch. Hier zeigte sich erneut der tolle Zusammenhalt unseren ganzen Teams. Die schnelleren Gruppen haben uns mit den „Ride-Captains“ in ihre Mitte genommen, und wir haben nochmal alle gemeinsam eine letzte große Herausforderung gemeistert – das Kopfsteinpflaster auf dem Weg zum Arc de Triomphe.

Von dort weiterzufahren zum Eiffelturm war ein sehr bewegender Moment. Wir haben alle so hart auf dieses Ziel hingearbeitet. Es ist ein tolles Gefühl, diese Distanz von 500 km geschafft zu haben und es gab einige in unserem Team, die in diesem Moment Tränen in den Augen hatten. 

Keine französische Stadt hätte übrigens ein besseres Ziel für unser Rennen sein können. Rund um Paris findet man nicht nur das erste Krebsbekämpfungszentrum Europas, Gustave Roussy, sondern diverse wichtige onkologische Forschungszentren wie z. B. das Institut Curie.

Doch bis hierhin war es ein harter Weg. Ohne den unbeschreiblichen Teamgeist hätten ich und viele andere diese Herausforderung womöglich nicht bewältigen können. Unser Team-Song (You Make A Grown Man Cry von den Rolling Stones) wurde nicht nur nach Abschluss unserer letzten Etappe nochmal lautstark zum Besten gegeben. Er ertönte auch im Bus immer wieder – und ich bin mir sicher, wir werden ihn auch heute Abend auf der Abschlussparty noch einige Male hören. 

Nun ist das Rennen vorbei. Noch ist diese Erfahrung und auch der persönliche wie gemeinsame Erfolg surreal. Aber diese Tage und unsere Reise von London nach Paris werden mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben. 

Während des Rennens wurde übrigens weiter für Myeloma UK gespendet (hier kann der aktuelle Stand eingesehen werden: https://www.justgiving.com/fundraising/Katharina-Geppert) – das freut mich unglaublich, denn Myeloma UK hat nicht nur dieses Rennen ganz fantastisch organisiert. Die Menschen sind außerordentlich engagiert im Kampf gegen das Multiple Myelom und haben jede Unterstützung ihrer tollen Arbeit verdient. 

Ich genieße nun noch etwas mein heutiges persönliches Highlight – die Klimaanlage in meinem Hotelzimmer – und freue mich auf das gemeinsame Dinner mit dem ganzen Team und die Abschlussparty. Dafür haben wir alle sicher noch genügend Energie. Denn wir haben es geschafft: 500 km von London nach Paris – 500 km für den Kampf gegen das Multiple Myelom.

Zuletzt aktualisiert: 06.12.2017