Erstlinientherapie

Das anaplastische großzellige Lymphom (ALCL) gehört zu den peripheren T-Zell-Lymphomen (PTCL), die klinisch in der Regel aggressiv werden und ohne Behandlung rasch progredient verlaufen. Die Patienten werden mit meist schmerzlosen Lymphknotenschwellungen und / oder extranodalen Manifestationen vorstellig. Es werden kutane und systemische Formen (sALCL) unterschieden.1

PTCL machen weltweit bis zu 10% aller neu diagnostizierten Non-Hodgkin-Lymphome aus. Die jährliche Inzidenz wird in Europa und Nordamerika mit unter 1 pro 100.000 Einwohner angegeben. Mit dem Alter steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit der PTCL an – nicht jedoch beim ALCL mit Expression der anaplastischen Lymphomkinase (ALK-positiv).1

Die neoplastischen Zellen beider ALCL-Formen weisen eine starke Expression des Oberflächenproteins CD30 auf.1

Prognose und Therapie vom ALK-Status abhängig

Beim sALCL werden auf Basis der Expression der anaplastischen Lymphomkinase (ALK) prognostisch unterschiedliche Subentitäten unterschieden: Die ALK-positive Form manifestiert sich in der Regel bei jüngeren Patienten, die ALK-negative Form findet sich häufiger bei älteren Patienten und hat eine schlechtere Prognose.1,2

Die Erstlinienbehandlung des ALK-positiven und ALK-negativen sALCL erfolgt bisher mit dem Chemotherapieprotokoll Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison (CHOP) – in einigen Zentren ergänzt um Etoposid (CHOEP). Der Einsatz der Strahlentherapie bleibt eine auf den individuellen Fall angepasste Entscheidung. Für Patienten mit einem ALK-negativen oder ALK-positiven sALCL mit einem International Prognostic Index (IPI) > 2, die auf die Erstlinientherapie ein gutes Ansprechen zeigten (komplette oder partielle Remission), wird anschließend eine konsolidierende Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation empfohlen.1 Dennoch erreichte der größte Teil der Patienten mit einem ALK-negativen sALCL kein Langzeitüberleben und keine Remission. Über die Hälfte dieser Patienten verstarb innerhalb von 5 Jahren (5-Jahres-Gesamtüberleben: 49%; 5-Jahres-Failure Free Survival: 36%).2 Auch von den Patienten mit einem ALK-positiven sALCL und einem IPI > 2 verstarben 2 von 3 innerhalb von 5 Jahren (IPI 3: 5-Jahres-Gesamtüberleben: 23%; IPI 4 und 5: 5-Jahres-OS: 33%).3

Chancen nutzen in der Erstlinie und im Rezidiv

Aufgrund der anhaltenden und von der Vortherapie unabhängigen CD30-Expression eignet sich das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab Vedotin (ADCETRIS®), das gezielt CD30-positive Zellen erkennt, für die Behandlung des sALCL. Es hat seine Wirksamkeit in dieser Indikation sowohl in der Erstlinien- als auch Rezidiv-Therapie bereits gezeigt. Auch in der Wiederholungsbehandlung werden mit Brentuximab Vedotin gute Ansprechraten erzielt.4

Langfristige Verbesserung im Gesamtüberleben mit A+CHP in der Erstlinie

In der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten, Doppel-Dummy Phase-III-Zulassungsstudie ECHELON-2 wurde die Wirksamkeit von ADCETRIS® plus Cyclophosphamid, Doxorubicin, Prednison (A+CHP) versus dem bisherigen Standard Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison (CHOP) bei rund 452 zuvor unbehandelten erwachsenen Patienten mit CD30-positivem peripherem T-Zell-Lymphom (PTCL) verglichen. Ein sALCL hatten 72% der Patienten im A+CHP-Arm und 68% im CHOP-Arm (vorgegebene Rekrutierungsziel: 75% +/- 5%). Von den eingeschlossenen Patienten hatten 48% ein ALK-negatives sALCL und 22% ein ALK-positives sALCL (nach Einschlusskriterien mit einem IPI ≥ 2).5

  • Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) nach Blinded Independent Central Review (BICR), definiert als die Zeit bis zur Progression, zum Tod oder zum Verabreichen einer systemischen Chemotherapie bei Krankheitspersistenz oder -progression.5
  • Zu den sekundären Endpunkten gehörten das PFS bei Patienten mit sALCL, die CR-Rate an Komplettremissionen (CR) und die objektive Ansprechrate (ORR) – jeweils nach BICR – sowie das Gesamtüberleben (OS).5

Vorteil für sALCL-Patienten am deutlichsten

Da die sALCL-Population in der ECHELON-2-Studie groß genug war und sich die Vorteile von A+CHP versus CHOP hier am deutlichsten zeigten, wurde Brentuximab Vedotin nach Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in dieser Gruppe von der Europäischen Kommission zugelassen. Mit A+CHP wurde in der Erstlinientherapie des sALCL ein überlegenes PFS sowie ein verbessertes OS und bessere CR-Raten im Vergleich zu CHOP erreicht, bei vergleichbarem Toxizitätsprofil.4-6

  • Das 5-Jahres-Follow-up zeigte, dass diese Verbesserungen langfristig anhaltend sind: Innerhalb der sALCL-Population verbesserte sich über diesen Zeitraum das PFS mit einer Reduktion des Progressionsrisikos um 45% (Hazard Ratio 0,55; p=0,0009),
  • das OS mit einer Reduktion des Sterberisikos um 34% (Hazard Ratio 0,66).7

PFS in der sALCL-Population nach 5 Jahren Follow-up in der ECHELON-2-Studie, adaptiert nach 7 A+CHP = ADCETRIS® plus Cyclophosphamid, Doxorubicin, Prednison; CHOP = Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison; HR = Hazard Ratio; CI = Konfidenz-Intervall

Wiederholungsbehandlung ist möglich

Nach der Erstlinientherapie mit A+CHP ist bei den sALCL-Patienten auch eine Wiederholungsbehandlung mit Brentuximab Vedotin möglich – die Ansprechrate lag bei 63%. Nach einer Erstlinientherapie mit CHOP lag das Ansprechen bei Nachbehandlung mit Brentuximab Vedotin bei 59%.7

  Wiederholungsbehandlung im A+CHP-Arm bei sALCL Patienten Nachbehandlung im CHOP-Arm bei sALCL Patienten
Ansprechrate, n (%) 12 (63) 23 (59)
Komplettes Ansprechen 8 (42) 12 (31)
Partielles Ansprechen 4 (21) 11 (28)

Ansprechen auf die Wiederholungsbehandlung oder Nachbehandlung von sALCL-Patienten mit Brentuximab Vedotin, adaptiert nach 7

A+CHP vergleichbares Verträglichkeitsprofil zu CHOP

In der ECHELON-2-Studie zeigte sich mit A+CHP ein vergleichbares Verträglichkeitsprofil zu CHOP.

  • Periphere Neuropathien traten bei 52% der Patienten im A+CHP-Arm versus 55% unter CHOP auf. Bei der letzten Nachuntersuchung der Fälle im A+CHP-Arm waren 50% vollständig abgeklungen und 12% hatten sich um ≥ 1 Grad gebessert.5,6
  • Febrile Neutropenien traten bei 18% unter A+CHP versus 15% unter CHOP auf.5 Die Rate an Neutropenien ≥ Grad 3 war unter A+CHP mit einer G-CSF-Primärprophylaxe niedriger (13%) als ohne Prophylaxe (45%).6

Verträglichkeitsprofil in der ITT-Population (therapiebedingte, unerwünschten Ereignisse ≥ 20%)5

Im 5-Jahres-Follow-up zeigte sich mit A+CHP ein langfristig gut handhabbares Sicherheitsprofil. Anhaltende periphere Neuropathien waren zu 98% vom Grad 1 oder 2. Bei 72% der Patienten im A+CHP-Arm und bei 78% der Patienten im CHOP-Arm zeigten die peripheren Neuropathien eine Besserung oder vollständige Rückbildung.7

Behandlungsassoziierte periphere Neuropathie

ADCETRIS® kann sowohl sensorische als auch motorische periphere Neuropathie verursachen. Eine Behandlungsassoziierte periphere Neuropathie ist typischerweise eine Folge kumulativer Exposition mit diesem Arzneimittel und in den meisten Fällen reversibel. Sensorische periphere Neuropathien zählen zu den häufigsten behandlungsassoziierten Nebenwirkungen unter ADCETRIS® und können die Lebensqualität der Patienten in unterschiedlichem Maß beeinträchtigen.4 Im folgenden Erklärfilm erfahren Betroffene und Angehörige, wie sich eine periphere Neuropathie äußert, was man vorbeugend tun kann und warum das Behandlungsteam frühzeitig über erste Anzeichen informiert werden sollte.

Bitte akzeptieren Sie Präferenz-Cookies, wenn Sie dieses Video ansehen möchten.
  1. Onkopedia Leitlinien Periphere T-Zell-Lymphome, Stand September 2019,https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/periphere-t-zell-lymphome/@@guideline/html/index.htmlwww.onkopedia.com
  2. Vose JM et al. J Clin Oncol 2008; 26: 4124-30
  3. Savage KJ et al. Blood 2008; 111: 5496–504
  4. Fachinformation ADCETRIS®, Aktueller Stand
  5. Horwitz S et al. Lancet 2019; 393(10168): 229-40
  6. Horwitz S et al. Lancet 2019; 393(10168): 229-40 Supplementary appendix
  7. Horwitz S et al., Poster #1150 presented at ASH 2020

ADCETRIS® 50 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Wirkstoff: Brentuximab Vedotin.
Zusammensetzung: 1 Durchstechflasche enthält 50 mg Brentuximab Vedotin. Sonstige Bestandteile: Citronensäure-Monohydrat (zur pH-Wert-Einstellung), Natriumcitratdihydrat, (zur pH-Wert-Einstellung), α,α-Trehalosedihydrat, Polysorbat 80.
Anwendungsgebiete: Hodgkin-Lymphom: ADCETRIS wird angewendet bei erwachsenen Patienten mit bislang unbehandeltem CD30+ Hodgkin-Lymphom (HL) im Stadium IV in Kombination mit Doxorubicin, Vinblastin und Dacarbazin (AVD) (siehe Fachinformation Abs. 4.2 u. 5.1); zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit CD30+ HL mit erhöhtem Rezidiv- oder Progressionsrisiko nach einer autologen Stammzelltransplantation (ASCT) (siehe Fachinformation Abs. 5.1); ADCETRIS wird angewendet bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem CD30+ Hodgkin-Lymphom (HL): 1. nach einer ASCT oder 2. nach mindestens zwei vorangegangenen Therapien, wenn eine ASCT oder eine Kombinationschemotherapie nicht als Behandlungsoption in Frage kommt. Systemisches anaplastisches großzelliges Lymphom: ADCETRIS wird in Kombination mit Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (CHP) bei erwachsenen Patienten mit bislang unbehandeltem systemischem anaplastischem großzelligem Lymphom (sALCL) angewendet (siehe Fachinformation Abs. 5.1). ADCETRIS wird angewendet bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem sALCL. Kutanes T-Zell-Lymphom: ADCETRIS wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit CD30+ kutanem T-Zell-Lymphom (CTCL) nach mindestens einer vorangegangenen systemischen Behandlung (siehe Fachinformation Abs. 5.1).
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit geg. den Wirkstoff od. einen d. sonstigen Bestandteile. Gleichzeitige Anwendung von Bleomycin: verursacht pulmonale Toxizität (siehe Fachinformation Abs.4.5).
Nebenwirkungen: Monotherapie: Sehr häufig: Infektiona, Infektion der oberen Atemwege, Neutropenie, periphere sensorische Neuropathie, periphere motorische Neuropathie, Husten, Dyspnoe, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Hautausschlaga, Juckreiz, Arthralgie, Myalgie, Müdigkeit, Fieber, infusionsbedingte Reaktionena, Gewichtsverlust. Häufig: Herpes zoster, Pneumonie, Herpes simplex, orale Candidiasis, Anämie, Hyperglykämie, Schwindel, erhöhte Alanin-Aminotransferase/AspartatAminotransferase (ALT/AST), Haarausfall, Rückenschmerzen, Schüttelfrost. Gelegentlich: Pneumonie durch Pneumocystis jiroveci, Staphylokokken-Bakteriämie, Cytomegalovirusinfektion oder Reaktivierung dieser Infektion, Sepsis/septischer Schock, febrile Neutropenie, anaphylaktische Reaktionen, Tumorlyse-Syndrom, demyelinisierende Polyneuropathie, akute Pankreatitis, Stevens-Johnson-Syndrom/Toxisch epidermale Nekrolyse. Häufigkeit nicht bekannt: Progressive multifokale Leukoenzephalopathie, Arzneimittlexanthem mit Eosinophilie und systemischen Manifestationen (DRESS), Paravasation an der Infusionsstellec. Kombinationstherapie: Sehr häufig: Infektiona, Infektion der oberen Atemwege, Neutropeniea , Anämie, febrile Neutropenie, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, periphere sensorische Neuropathiea, periphere motorische Neuropathiea, Schwindel, Husten, Dyspnoe, Übelkeit, Verstopfung, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Stomatitis, Haarausfall, Hautausschlaga, Knochenschmerzen, Arthralgie, Myalgie, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Fieber, Gewichtsverlust. Häufig: Pneumonie, orale Candidiasis, Sepsis/septischer Schock, Herpes zoster, Thrombozytopenie, Hyperglykämie, erhöhte AlaninAminotransferase/Aspartat-Aminotransferase (ALT/AST), Pruritus, infusionsbedingte Reaktionena, Schüttelfrost. Gelegentlich: Herpes simplex, Pneumonie durch Pneumocystis jiroveci, anaphylaktische Reaktionen, Tumorlyse-Syndrom, akute Pankreatitis, StevensJohnson-Syndromb.
a Entspricht der Zusammenfassung der bevorzugten Begriffe. b Toxisch epidermale Nekrolyse wurde im Bereich der Kombinationstherapie nicht berichtet. c Ein Paravasat kann zu Hautrötung, Schmerzen, Schwellung, Blasenbildung, Exfoliation und Zellulitis an der bzw. um die Infusionsstelle herum führen.
Wechselwirkungen sowie weitere Hinweise: siehe Fachinformation. Verschreibungspflichtig.
EU-Zulassungsinhaber: Takeda Pharma A/S, Vallensbaek Strand, Dänemark
Kontaktadresse d. Pharm. Unternehmens in Deutschland: Takeda GmbH, Byk-Gulden-Str.2, 78467 Konstanz, Tel.: 0800 8253325, medinfoEMEA@takeda.com
Stand: 10/2021

Zuletzt aktualisiert: 09.09.2021