Mythen-Checker Psychoonkologie

5 Mythen rund um die Psychoonkologie im Check

„Ich habe Krebs – ich bin doch nicht verrückt.“ Psychoonkologische Unterstützungsangebote sind für viele Krebspatienten und Angehörige nach wie vor entweder unbekannt oder sogar mit negativen Vorbehalten besetzt. Wir klären auf: Wie viel Wahrheit steckt in solchen Vorbehalten und wie kann eine psychoonkologische Behandlung helfen? 

Mythos 1: Psychoonkologische Hilfe brauchen doch nur Depressive!

Falsch. Das psychoonkologische Angebot ist sehr breit und wird individuell auf jeden einzelnen Patienten abgestimmt. Eine Behandlung kann sowohl beim Umgang mit Ängsten und Depressionen helfen, als auch Beratung zu sozialen Fragestellungen leisten und Unterstützung im Alltag bieten. Es geht hierbei darum, die Lebensqualität der erkrankten Menschen und ihrer Angehörigen zu erhalten bzw. zu erhöhen. Lassen Sie sich über das Angebot beraten und finden Sie heraus, an welcher Stelle Unterstützung für Sie hilfreich sein könnte.

Weitere Informationen finden Sie in den S3-Patientenleitlinien „Psychosoziale Unterstützung für Krebspatienten und Angehörige“.

Mythos 2: Fünf Jahre nach meiner Behandlung brauche ich auch keine psychoonkologische Therapie mehr!

Stimmt nicht. Auch Wochen, Monate und sogar Jahre nach der Behandlung können immer wieder Belastungszustände auftreten. Diese emotionalen Belastungen können wiederum körperliche, psychische und soziale Probleme verursachen. Zögern Sie deshalb nicht psychoonkologische Hilfe aufzusuchen und in Anspruch zu nehmen, wenn Sie das Gefühl haben, Sie benötigen sie – ganz unabhängig vom Zeitpunkt des ersten Auftretens der Erkrankung.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Deutschen Krebsinformationsdienstes.

Mythos 3: Meine Kinder bzw. mein/e Partner/in benötigen doch keine Hilfe. Ich bin ja an Krebs erkrankt!

Im Mittelpunkt einer Krebserkrankung steht natürlich der erkrankte Mensch. Dennoch betrifft die veränderte Situation nicht allein Sie, sondern auch die Menschen, die Ihnen nahestehen: Partner/in, Familie, Kinder und Freunde. Deshalb wendet sich das Unterstützungsangebot der Psychoonkologie auch an Angehörige. Weitere Informationen finden Sie in den S3-Patientenleitlinien „Psychosoziale Unterstützung für Krebspatienten und Angehörige“.

Wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt ist, benötigen Kinder in dieser veränderten Situation besonders viel Zuwendung. Sie spüren oft sehr genau, dass etwas nicht in Ordnung ist. Deshalb ist es sehr wichtig, mit Kindern über die Erkrankung zu sprechen und ihnen die Situation zu erklären. Bundesweite Einrichtungen und Angebote der Interessensgemeinschaft „IG Kinder krebskranker Eltern“ finden Sie zum Beispiel unter http://www.dapo-ev.de/.

Mythos 4: Was kann ein Psychoonkologe denn bei meiner Krebserkrankung ausrichten? Dort auf einer Liege zu liegen, bringt mir nichts!

Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten und Verfahren, die im Rahmen einer psychoonkologischen Unterstützung zum Einsatz kommen können. Welche Methode in Frage kommt, hängt von Ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnissen ab.

Bei der Bewältigung einer Krebserkrankung können beispielsweise verschiedene Techniken zur Entspannung helfen, z.B. künstlerische Therapien, Ergotherapie, Physio- und Bewegungstherapie sowie meditative Techniken wie Yoga oder Qigong. In psychotherapeutischen Einzel-, Paar- oder Gruppengesprächen besteht die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Probleme, Sorgen und Ängste anzusprechen und zu bearbeiten. Eine psychosoziale Beratung bietet Hilfestellung bei psychosozialen Belastungen und sozialrechtlichen Anliegen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Deutschen Krebsgesellschaft.

Mythos 5: Psychoonkologen sind doch gar keine richtigen Psychologen!

Viele Psychoonkologen sind in einer psychotherapeutischen Praxis tätig und haben als Grundausbildung ein Studium im medizinischen oder psychosozialen Bereich absolviert und zudem eine psychotherapeutische Weiterbildung abgeschlossen. Die meisten arbeiten als Arzt oder Diplom-Psychologe mit Krebspatienten. Dennoch ist der Begriff „Psychoonkologe“ in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Um die verschiedenen Ausbildungswege vergleichbar zu machen, hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften dapo und PSO Standards entwickelt.

Außerdem muss zwischen einem psychosozialen und psychoonkologischen Beratungsangebot und einer Psychotherapie unterschieden werden. Psychoonkologische Beratungsstellen in Krankenhäusern oder Reha-Kliniken dienen der „ersten Hilfe“ und vermitteln weiterführende Hilfen für Krebspatienten und ihre Angehörigen. Eine Psychotherapie geht über eine „Beratung“ hinaus. Die Unterstützung ist in der Regel längerfristig angelegt, wenn die Krebserkrankung tatsächlich in eine Depression hineinführt. Sie unterstützt auch, wenn längst überwunden geglaubte Probleme wieder an die Oberfläche kommen.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Webseite des Deutschen Krebsinformationsdienstes.

Zuletzt aktualisiert: 29.11.2017