Das Multiple Myelom

Expertenvideo „Was sollten Patienten eines Multiplen Myeloms während der Corona-Pandemie beachten?“
 

00:23 Min Inwiefern zählen Patienten eines Multiplen Myeloms zur Risikogruppe?
03:25 Min Inwiefern kann die aktuelle Corona-Pandemie die Therapie des Multiplen Myeloms beeinflussen?
06:28 Min Gibt es bestimmte Impfempfehlungen für Betroffene eines Multiplen Myeloms und wenn ja, wie lauten diese?

Was ist das Multiple Myelom?

Das Multiple Myelom, auch als Plasmozytom oder Morbus Kahler bezeichnet, ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks, bei der Plasmazellen entarten und sich überschießend im Knochenmark vermehren.1, 2, 4 Die entarteten Plasmazellen nennt man auch Myelomzellen. Die Myelomzellen wachsen häufig in sogenannten Herden im Knochenmark, die an vielen (multiplen) Stellen auftreten können – daher wird die Erkrankung Multiples Myelom genannt. Das Multiple Myelom wird auch als Knochenmarkkrebs bezeichnet und zählt zu den Krebserkrankungen des blutbildenden Systems.3

Das Wachstum der Myelomzellen im Knochenmark verursacht die verschiedenen Symptome des Multiplen Myeloms. Die entarteten Plasmazellen verdrängen die gesunden blutbildenden Zellen.1, 4, 5 Erkrankte können daher unter Blutarmut (Anämie) und Müdigkeit leiden. Häufige Infekte, Gewichtsverlust sowie Nierenfunktionsstörungen, Knochenschmerzen und unerwartete Knochenbrüche sind weitere mögliche Symptome. Etwa jeder vierte Patient hat allerdings zum Zeitpunkt der Diagnose keine Beschwerden.1

Wenn Sie oder ein Angehöriger mit der Diagnose Multiples Myelom konfrontiert werden, haben Sie sicherlich viele Fragen. Die folgenden Informationen sollen Sie dabei unterstützen, sich ein umfassendes Bild von Ihrer Erkrankung zu machen. Denn ein grundlegendes Verständnis für die Erkrankung ist hilfreich, um besser mit ihr umzugehen. So können Sie sich auch besser am Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt beteiligen und ggf. aktiv an therapeutischen Entscheidungen mitwirken.

Wie entsteht ein Multiples Myelom?

Meist tritt die Erkrankung zuerst im Knochenmark auf und bildet dort mehrere (multiple) Erkrankungsherde.3 Das Knochenmark ist im Körper ein wichtiger Aufenthaltsort für Plasmazellen und konzentriert sich im Becken, in der Wirbelsäule und in den Röhrenknochen der Oberarme und Oberschenkel.5 Es ist verantwortlich für die Produktion von Blutzellen: den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten).4 Diese Blutzellen übernehmen wichtige Aufgaben im Körper wie Sauerstofftransport, Blutgerinnung und Infektionsabwehr. So sind zum Beispiel die weißen Blutkörperchen Teil der Immunabwehr, sie erkennen und beseitigen Krankheitserreger.4

Plasmazellen reifen aus B-Lymphozyten (einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen) heran und produzieren normalerweise Antikörper, die sich gegen die Krankheitserreger richten.6 Beim Multiplen Myelom sind die Plasmazellen jedoch entartet – sie teilen sich unkontrolliert und produzieren auch ohne Erreger Unmengen von identischen und funktionslosen Antikörpern.1, 2, 4, 6 Diese Antikörper werden auch als monoklonales Protein oder M-Protein (oder Paraprotein) bezeichnet. Manche Myelomzellen produzieren nur Bruchstücke von Antikörpern, sogenannte Leichtketten.1 Die übermäßig produzierten M-Proteine und Leichtketten überschwemmen den Körper und können zu Nierenschäden führen. Die starke Ausbreitung der Myelomzellen verdrängt die gesunden blutbildenden Zellen und schädigt das Knochengewebe.4, 5 In der Folge können Blutarmut, Schwächung des Immunsystems sowie Knochenschäden auftreten.1, 4-6

Sonderformen solitäres und extra-medulläres Plasmozytom

Die Myelomzellen siedeln sich im Knochenmark an und bilden dabei in der Regel multiple Tumorherde.3 Eine Sonderform des Myeloms ist das solitäre (einzelne) Plasmozytom. Hier ist im Gegensatz zum Multiplen Myelom nur ein einzelner isolierter Krankheitsherd aus entarteten Plasmazellen vorhanden.1 Nur in etwa 1% der Fälle führt ein Befall von Organen außerhalb des Knochenmarks zur Diagnose, dann spricht man von einem extra-medullären Plasmozytom („medullär“ bedeutet „das Knochenmark betreffend“).3

Vorstufen des Multiplen Myeloms sind die Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) und das schwelende (smouldering) Myelom.1 Bei diesen Formen treten in der Regel noch keine typischen Krankheitszeichen auf.

Erklärvideo „Das Multiple Myelom“
 

Welche Auswirkungen hat das Multiple Myelom auf meinen Körper?

Die sich ausbreitenden Myelomzellen schädigen die Struktur des Knochenmarks und führen zum Knochenabbau (Osteolyse). Dadurch werden die Knochen instabil, können schmerzen und die Gefahr von Knochenbrüchen steigt. Außerdem gelangt durch die porösen Knochen vermehrt Kalzium ins Blut, so dass es zu einer Störung des Kalziumhaushaltes kommen kann. Die erhöhten Kalziumspiegel, die der Arzt Hyperkalzämie nennt, wirken sich wiederum ungünstig auf andere Organe aus: z.B. Herzrhythmusstörungen oder Nierenschäden sind möglich.4, 5

Nicht nur hohe Kalziumwerte belasten die Nieren. Die von den Myelomzellen übermäßig produzierten M-Proteine und Leichtketten verstopfen auch die Nierenkanäle.4, 5 Die Nieren sind nicht mehr in der Lage richtig zu arbeiten und Nierenschäden können auftreten.4-6

Wegen der Verdrängung gesunder blutbildender Zellen im Knochenmark können nicht mehr genügend rote Blutkörperchen gebildet werden. Dies führt zu Blutarmut.4, 6 Zusätzlich wird durch einen Mangel an weißen Blutkörperchen, die wichtig für die körpereigene Abwehr sind, das Immunsystem geschwächt und Infekte treten häufiger auf.1, 4-6

In den letzten Jahren wurden enorme Fortschritte bei Diagnostik1 und Therapie erzielt, dennoch ist eine dauerhafte Heilung leider meist nicht möglich.3, 5 Neue Therapiemöglichkeiten bieten aber gute Ansätze, um die Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung möglichst lange aufzuhalten.1, 2, 4, 6

Broschüre “Das Multiple Myelom” für mehr Informationen
 
Multiples Myelom Broschuere
Die Broschüre „Das Multiple Myelom“ richtet sich vor allem an neu-diagnostizierte Patienten des Multiplen Myeloms und deren Angehörige. Anschaulich wird darin die Erkrankung, ihre Symptome, die Diagnose und potentielle Behandlungsmethoden erläutert.
 
Alexa-Skill Multiples Myelom

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  1. Wörmann, Bernhard, et al: Leitlinie Multiples Myelom der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.), Stand Mai 2018; abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@view/html/index.html (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  2. Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.): Multiples Myelom; abrufbar unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom-morbus-kahler.html (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  3. Robert Koch-Institut Krebs (Hrsg.): Multiples Myelom, Krebs in Deutschland, 2019; abrufbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/kid_2019_c90_multiples_myelom.pdf?__blob=publicationFile (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  4. Stiftung Deutsche Krebshilfe (Hrsg.): Die blauen Ratgeber „Plasmozytom / Multiples Myelom – Antworten. Hilfen. Perspektiven.“ Stand: 04/2018; abrufbar unter: https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Plasmozytom-Multiples-Myelom_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  5. Raab, Marc-Steffen, et al: Patientenhandbuch – Multiples Myelom; Myelom Deutschland e.V., 2020; abrufbar unter: https://www.myelom-deutschland.de/wp-content/uploads/2020/09/MD_HD_Patientenhandbuch_2020.pdf (zuletzt aufgerufen: 08.03.2021).

  6. Hellmich, Silke: Multiples Myleom. Kompetenznetz maligne Lymphome e.V., 2018; abrufbar unter: https://lymphome.de/multiples-myelom (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

Zuletzt aktualisiert: 08.09.2021