Therapie

Behandlung des Multiplen Myeloms

Steht die Diagnose Multiples Myelom sicher fest, stellen sich dem Patienten und auch seinen Angehörigen viele Fragen. Eine ganz entscheidende davon ist, welche Behandlung die passende sein kann. Das folgende Video gibt einen Überblick, ab welchen Zeitpunkt eine Behandlung notwendig ist und welche verschiedenen Ansätze es heute gibt.

In den letzten zehn Jahren wurden zahlreiche Fortschritte in der Behandlung des Multiplen Myeloms gemacht (siehe Abbildung).

  1. Bergsagel PL. Where we were, where we are, where we are going: progress in multiple myeloma. Am Soc Clin Oncol Educ Book. 2014:199-203. doi:10.14694/EdBook_AM.2014.34.199. 

  2. National Cancer Institute. Doxorubicin hydrochloride. http://www.cancer.gov/cancertopics/druginfo/doxorubicinhydrochloride. Updated September 17, 2014. Accessed January 20, 2015.

Dennoch gibt es bisher noch keine Möglichkeit einer Heilung. Eine Behandlung hat daher aktuell folgende Ziele:1,2

  • Das Fortschreiten der Erkrankung soll gestoppt oder zumindest verlangsamt werden 
  • Die Symptome sollen verbessert werden. 

Nicht jede Erhöhung des Paraproteins und Vermehrung der Plasmazellen im Knochenmark ist automatisch ein Multiples Myelom und muss sofort behandelt werden. Ist das Paraprotein nachweisbar, aber der Anteil von Plasmazellen im Knochenmark nicht allzu hoch und gibt es keine weiteren Krankheitszeichen, wird in der Regel gewartet und regelmäßig nachuntersucht. Sobald weitere Krankheitszeichen auftreten wird eine Behandlung empfohlen. Diese weiteren Krankheitszeichen werden in den sogenannten CRAB-Kriterien zusammengefasst:2,3

C - erhöhtes Kalzium im Blut (Englisch: hypercalcemia) 
R - Funktionsstörung der Niere (Englisch: renal insufficiency)
A - Blutarmut (Englisch: anemia)
B - Knochenbeteiligung (Englisch: bone lesions).

Darüber hinaus wurde auch der Nachweis bestimmter Merkmale, z.B. im Blut oder Knochenmark, als Kriterium für einen Therapiebeginn definiert: Sie lassen eine Aussage über die Prognose und den Krankheitsverlauf zu.1,2

Muss die Erkrankung behandelt werden, stehen verschiedene Therapien zur Verfügung:1,3

  • Chemotherapie (normal/hochdosiert)
  • Autologe Stammzelltransplantation nach hochdosierter Chemotherapie
  • Immunmodulierende Medikamente
  • Proteasominhibitoren, die den Zellstoffwechsel beeinflussen
  • Allogene Stammzelltransplantation als einzige Option auf Heilung (im Rahmen klinischer Studien)
  • Monoklonale Antikörper (Einsatz nur bei vorbehandelten Patienten)
  • Histondeacetylase (HDAC)-Inhibitoren

Obwohl es Leitlinien zur Behandlung des Multiplen Myeloms gibt, ist die Wahl der Therapie oft eine individuelle. Sie richtet sich nach dem Allgemeinzustand, dem Alter, ggf. vorhandenen anderweitigen Erkrankungen, den Symptomen, dem Krankheitsstadium und möglichen Vorbehandlungen des Patienten.1

Beim Multiplen Myelom handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung: Viele Patienten sprechen erst gut auf eine Therapie an. Dieses Ansprechen wird als Remission bezeichnet. Sind sämtliche Krankheitszeichen verschwunden und Blutbild sowie Knochenmark weisen normale Werte auf, spricht man von einer Vollremission; sind die Krankheitszeichen lediglich verbessert, handelt es sich um eine Teilremission bzw. partielle Remission. Nach der Phase der Remission erleiden viele Patienten allerdings einen Rückfall (Rezidiv) und es kommt zum Wiederauftreten der Erkrankung. Diese Situation kann sich mehrmals wiederholen (siehe Abbildung 2). Je häufiger dies passiert, desto kürzer wird in der Regel die Zeit des Ansprechens auf eine Therapie. Erleiden Patienten einen solchen Rückfall, stehen neue, innovative Therapieoptionen zur Verfügung, die das Multiple Myelom wieder zum Stillstand bringen können. Auch Kombinationstherapien sind hier möglich.

  1. Kurtin SE. J Adv Pract Oncol 2013(Suppl 1):5–14

  1. DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V., Leitlinie Multiples Myelom. Stand September 2013. Abrufbar unter: Weiter Letzter Zugriff: 05.09.2017.

  2. Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg. Patienten-Handbuch. Multiples Myelom 2016. Abrufbar unter: Weiter Letzter Zugriff: 05.09.2017.

  3. Stiftung Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber „Plasmozytom/Multiples Myelom. Antworten. Hilfen. Perspektiven.“. Stand: 11/2016. Abrufbar unter: Weiter Letzter Zugriff: 05.09.2017.


Zuletzt aktualisiert: 04.10.2017