Ursachen und Risikofaktoren

Was sind Ursachen eines Multiplen Myeloms?

Warum jemand an einem Multiplen Myelom erkrankt, ist – wie auch bei vielen anderen Krebsarten – nicht eindeutig zu beantworten. Das Multiple Myelom tritt vermehrt im hohen Lebensalter und etwas öfter bei Männern auf (Verhältnis von erkrankten Männern zu Frauen 3:2). Eine familiäre Häufung kommt zwar vor, ist aber eher selten1. Umweltfaktoren werden als mögliche Auslöser diskutiert2, 3. Darüber hinaus gibt es bestimmte Vorerkrankungen, die das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Hierzu zählen die sogenannte monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) sowie das schwelende Myelom („smouldering myeloma“)1, 2, 3, 9.

Was begünstigt ein Multiples Myelom?

Die Ursache der Erkrankung bzw. die auslösenden Faktoren sind bisher weitgehend ungeklärt. Es gibt allerdings verschiedene Umwelteinflüsse, die mit der Erkrankung an einem Multiplen Myelom in Verbindung gebracht werden. So wird die Exposition gegenüber ionisierenden Strahlen mit dem Auftreten eines Multiplen Myeloms assoziiert sowie der übermäßige Kontakt mit Schadstoffen bei manchen Berufsgruppen in der Landwirtschaft oder Erdölverarbeitung (z.B. Pestizide, Dieselruß oder organische Lösungsmittel).2, 3 Zudem können Lebensstilfaktoren wie Übergewicht eine Rolle spielen.2, 4, 5

Obwohl man eine gewisse familiäre Häufung bei Verwandten ersten Grades beobachten kann, ist das Multiple Myelom keine Erbkrankheit im engeren Sinn.2, 3, 5 Auf genetische Faktoren weisen möglicherweise auch Unterschiede in der Häufigkeit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen hin. So haben Menschen mit afrikanischer Abstammung, die in den USA leben, ein höheres Risiko, ein Multiples Myelom zu entwickeln.2, 3 In der afroamerikanischen Bevölkerung tritt das Multiple Myelom etwa doppelt so häufig auf wie bei Menschen kaukasischer Herkunft. Die niedrigsten Erkrankungsraten werden aus China berichtet.2

Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko an einem Multiplen Myelom zu erkranken: so sind die meisten Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose zwischen 70 und 79 Jahren alt.2 Männer erkranken zudem etwas häufiger als Frauen.5

Ein weiterer Risikofaktor für die spätere Entstehung eines Multiplen Myeloms ist eine sogenannte Monoklonale Gammopathie Unklarer Signifikanz (MGUS).6-8 Diese Vorstufe des Multiplen Myeloms ruft noch keine klinischen Zeichen oder Krankheitssymptome hervor. Auch beim MGUS bilden die Plasmazellen vermehrt M-Protein, allerdings führt dies weder zu Blutarmut, noch zu Knochenverdünnung oder zur Störung der Nierenfunktion.3 Das MGUS kann bei Blutuntersuchungen als Zufallsbefund entdeckt werden und geht in etwa 1% der Fälle pro Jahr in ein Multiples Myelom über.6-8 Untersuchungen zeigten, dass es große Schwankungen im Hinblick auf die individuelle Wahrscheinlichkeit für solch ein Fortschreiten vom MGUS zum Multiplen Myelom geben kann. Der wichtigste Risikofaktor ist dabei die Höhe des M-Proteins: Patienten mit einem M-Protein >25 g/l haben ein Progressionsrisiko von etwa 50% nach 20 Jahren.6

Ein weiteres Zwischenstadium zum symptomatischen Multiplen Myelom stellt das schwelende oder „smouldering“ Myelom dar.2, 3 Auch bei dieser Form der Erkrankung zeigen sich noch keine Beschwerden oder Organschäden – es wird daher als asymptomatisch bezeichnet.3 Allerdings kann bei dieser Vorstufe bereits eine größere Menge an entarteten Plasmazellen und / oder M-Protein nachgewiesen werden als beim MGUS.2, 3 Daher haben Patienten mit einem schwelenden Myelom auch ein höheres Risiko, dass ihre Erkrankung zu einem symptomatischen Multiplen Myelom fortschreitet: In den ersten fünf Jahren nach Diagnosestellung beträgt das Risiko etwa 10% pro Jahr.9

Expertenvideo „Welche Ursachen kann ein Multiples Myelom haben und welche Risikofaktoren spielen dabei eine Rolle?“
 

00:21 Min Was ist der aktuelle Stand der Wissenschaft in Bezug auf die Ursachen eines Multiplen Myeloms?
01:12 Min Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die im Verdacht stehen, das Multiple Myelom zu begünstigen und wenn ja, welche sind dies?
03:10 Min Gibt es Möglichkeiten, das Risiko an einem Multiplen Myelom zu erkranken zu minimieren und wenn ja, was kann getan werden?

  1. Raab, Marc-Steffen, et al: Patientenhandbuch – Multiples Myelom; Onkopedia, 2020. Abgerufen über https://www.myelom-deutschland.de/wp-content/uploads/2020/09/MD_HD_Patientenhandbuch_2020.pdf (zuletzt aufgerufen: 08.03.2021).

  2. Wörmann, Bernhard, et al: Leitlinie Multiples Myelom der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.), Stand Mai 2018; abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@view/html/index.html (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  3. Stiftung Deutsche Krebshilfe (Hrsg.): Die blauen Ratgeber „Plasmozytom / Multiples Myelom – Antworten. Hilfen. Perspektiven.“ Stand: 04/2018; abrufbar unter: https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Plasmozytom-Multiples-Myelom_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  4. Wallin A et al.: Body mass index and risk of multiple myeloma: A meta-analysis of prospective studies. Eur J Cancer 2011; 47: 1606–15

  5. Robert Koch-Institut Krebs (Hrsg.): Multiples Myelom, Krebs in Deutschland, 2019; abrufbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/kid_2019_c90_multiples_myelom.pdf?__blob=publicationFile (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  6. Scheid, Christof, et al: Leitlinie Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.), Stand Juni 2019; abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/monoklonale-gammopathie-unklarer-signifikanz-mgus/@@guideline/html/index.html (zuletzt abgerufen: 08.03.2021).

  7. Landgren, Ola, et al.: Monoclonal gammopathy of undetermined significance (MGUS) consistently precedes multiple myeloma: a prospective study; Blood, 2009; 113: 5412–7.

  8. Zingone, Adriana, et al.: Pathogenesis of monoclonal gammopathy of undetermined significance and progression to multiple myeloma; Seminars in Hematology 48:4-12, 2011.

  9. Rajkumar, S Vincent, et al.: Smoldering multiple myeloma; Blood, 2015; 125: 3069–75.

Zuletzt aktualisiert: 08.09.2021