Termin: Freitag, 3. Juli 2020 / Bitte aktualisierte Uhrzeit beachten: 8:00 Uhr – 9:00 Uhr

Zur Anmeldung: https://attendee.gotowebinar.com/register/6323049885958150416

In diesem Webinar gibt Herr Prof. Einsele ein Update zu den wichtigsten Empfehlungen für Myelompatienten in Zeiten der Lockerungen der Corona-Maßnahmen, berichtet über erste internationale Erfahrungen zum Verlauf von COVID-19 bei Myelompatienten und beantwortet dann Ihre Fragen zur schrittweisen Rückkehr zum Alltag.

Referent: Herr Prof. Dr. med. Hermann Einsele, Universitätsklinikum Würzburg

Herr Prof. Einsele ist Klinikdirektor der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Würzburg. Zusätzlich ist er u.a. Leiter der Deutschen Studiengruppe Multiples Myelom (DSMM), Vorstandsmitglied des Europäischen Myelomnetzwerkes und des Deutschen Kompetenznetzes Maligne Lymphome und Chairman der Scientific Working Group Immunotherapy der European Hematology Association (EHA). Als international renommierter Myelomexperte ist er ein hervorragender Ansprechpartner für Ihre Fragen zum Umgang mit der Erkrankung in Zeiten des Coronavirus.

Schicken Sie Ihre Fragen gerne bereits vorab unter dem Betreff „Webinar“ an Myelom Deutschland e.V.: E-Mail: geschaeftsstelle@myelom-deutschland.de.

Eine Initiative von Takeda Oncology in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Myelom Deutschland e.V.

Hinweis: Bitte haben Sie Verständnis, dass im Rahmen des Webinars keine individuellen Therapieempfehlungen gegeben werden können. Bitte wenden Sie sich bei Fragen an Ihren behandelnden Arzt/Ihre behandelnde Ärztin.

Kurze Anleitung zur Teilnahme am Webinar

Plattform: „GoToWebinar“

So nehmen Sie am Webinar teil:

  1. Registrieren Sie sich mit dem Anmeldungslink: https://attendee.gotowebinar.com/register/6323049885958150416
    Sie erhalten dann eine Bestätigungs-E-Mail mit Ihren Einwahldaten.
    Optional – Prüfung der Systemvoraussetzungen: Wenn Sie sich zum ersten Mal zu einem Webinar mit GoToWebinar anmelden, führen Sie bitte eine Systemprüfung durch und klicken diesen Link an: https://support.goto.com/de/webinar/system-check-attendee-av
  2. Am Webinar teilnehmen: Am Tag des Webinars klicken Sie auf den Teilnahmelink in Ihrer Bestätigungs-E-Mail, um mit der Sitzung zu beginnen. Wählen Sie sich am besten 10-15 Minuten vor der Anfangszeit ein, dann können Sie den Ton in Ruhe einrichten und bei der technischen Einweisung zuhören.
  3. Ton einrichten (Symbol: Blaue Blume): Sobald Sie in die Sitzung gestartet sind, werden Sie aufgefordert, Ihr Audio einzurichten. Sie können zwischen zwei Möglichkeiten wählen: A) Sie verwenden das Mikrofon und die Lautsprecher Ihres Computers B) Sie wählen sich über Ihr Telefon ein – die Nummer finden Sie in Ihrer Bestätigungs-E-Mail

Weitere Informationen zur Teilnahme finden Sie auch auf der Hilfeseite von GoToWebinar unter: https://support.logmeininc.com/de/gotowebinar/how-to-join-attendees

Rückblick erstes Webinar am 21.4.2020

In diesem Webinar am 21.4.2020 gab Frau Prof. von Lilienfeld-Toal einen kurzen Überblick über die wichtigsten aktuellen Empfehlungen für Myelompatienten und beantwortete dann Patientenfragen zum Umgang mit der Erkrankung in Zeiten von COVID-19.

Fragen und Antworten im Rahmen des Webinars „Multiples Myelom und COVID-19“

Hinweis: Die Fragen und Antworten wurden redaktionell leicht gekürzt. In der Video-Aufzeichnung finden Sie die Original-Antworten von Frau Prof. von Lilienfeld-Toal. Das Webinar fand am 21.4. statt – da sich der Wissenstand rund um COVID-19 täglich erweitert, können mittlerweile neue Forschungsergebnisse vorliegen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Myelompatienten zählen grundsätzlich zu den Hochrisikopatienten für Infektionen. Inwieweit dies allerdings auch für das neue Coronavirus SARS-CoV-2 gilt, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht klar. Generell ist bei Myelompatienten die Infektneigung nicht immer gleich. Sie ist vor allem hoch in den Phasen, in denen die Erkrankung aktiv ist, d.h. beispielsweise am Anfang der Erkrankung und in den ersten Phasen der Therapie. Diese Patienten sind Hochrisikopatienten und stark gefährdet. Zusätzlich sind Patienten besonders gefährdet, die sich aktuell rund um eine Hochdosistherapie befinden. Nach einer Hochdosistherapie macht man eine Phase durch, in der man besonders infektgefährdet ist. Die Dauer ist hier individuell unterschiedlich. Manche Patienten erholen sich relativ schnell, andere Patienten brauchen dazu etwas länger – als groben Richtwert sagen wir drei Monate der intensiveren Infektgefährdung. Das ist etwas, was Sie Ihren behandelnden Arzt/Ihre behandelnde Ärztin im Einzelfall fragen können, weil verschiedene Werte dabei eine Rolle spielen. Unter anderem, ob man gesunde Antikörper bilden kann, dann hat man eine niedrigere Infektneigung. Und die Patienten, die eine sehr gut beherrschte Myelomerkrankung haben mit einem gut erholten Blutbild und gut erholten Antikörpern, möglicherweise mit oder ohne Erhaltungstherapie, die sind möglicherweise nicht stärker als andere Menschen auch gefährdet.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Die Patienten, die gerade akut eine Therapie bekommen und akut gefährdet sind, müssen besonders geschützt werden. Ich glaube, dass viele Patienten das auch schon vor COVID-19 gehört und praktiziert haben – denn man möchte diese Patienten ja z.B. auch vor einer schweren Influenza schützen. Es ist also in diesen akuten Therapiephasen nie gut, wenn Patienten Kontakt mit infizierten Menschen haben. Auf der anderen Seite können die Patienten, deren Myelomerkrankung gut unter Kontrolle ist, sich im Großen und Ganzen relativ normal verhalten. D.h. ich denke Sie sollten sich an die allgemeinen Verhaltensregeln halten, es sei denn Sie sind aktuell in einer besonderen Gefährdung – dann sollten Sie dies mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin absprechen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Aktuell gibt es klare Richtlinien, wie man sich vor und nach Transplantationen zu verhalten hat. Es wird ziemlich stark gescreent bei den Patienten, die für Transplantationen anstehen. Und wenn diese Patienten eine Infektion haben, wird die Transplantation ausgesetzt und erst nach einem gewissen Zeitfenster ausgeführt. Das gilt ganz besonders für die allogene Transplantation, also die Transplantation durch einen anderen Spender, aber auch für die Eigen-Transplantation. Um die Transplantation herum gibt es also in Bezug auf das Coronavirus sehr ausführliche Vorsichtsmaßnahmen. Die individuellen Schutz-Maßnahmen danach sind besonders in den ersten drei Monaten nach der Transplantation wichtig, wie eben erläutert.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Ja – weil zwei Risikofaktoren zusammenkommen. Wahrscheinlich sind die Herzkreislauferkrankungen als Risikofaktor für die SARS-CoV-2 Infektionen wichtiger.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Es ist ganz wichtig, dass man damit so umgeht, wie man es normalerweise auch tun würde. Die Kliniken und Notfalleinrichtungen sind darauf vorbereitet und trennen z.T. auch räumlich nach Corona- und Nicht-Corona-Notfällen. Wichtig ist, dass man nicht aus Angst auf diesem akuten Problem sitzen bleibt. Ein Notfall ist auch jetzt ein Notfall und wird auch jetzt so behandelt, das ist ganz wichtig.

 

Prof. von Lilienfeld-Toal: Achten Sie auf eine gute Ernährung, darauf Vitamine auszugleichen und auf viel Bewegung. In Zeiten der Isolation ist das natürlich schwierig. Auch kann es für jeden Menschen unterschiedlich sein, was hilft, um die fehlende Nähe zu Angehörigen zu ersetzen. Es empfiehlt sich darauf zu achten, dass man nicht komplett vereinsamt, Hilfe anzunehmen und Unterstützung auch zuzulassen. Und um nochmal die Wichtigkeit der Abstandsregelung zu betonen – das ist nicht einfach ausgedacht, sondern wenn man zwei Meter Abstand hält, ist das eine relativ sichere Distanz. Das kann auch ein Weg sein, um durch die Isolation durchzukommen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Konkret heißt das, dass sowohl die neutrophilen Granulozyten (Fresszellen) ungefähr bei eins pro Nanoliter oder bei 1000 pro Mikroliter liegen, je nach der Einheit des Labors. Und dass außerdem auch einige Lymphozyten vorhanden sind, ungefähr 500 pro Mikroliter. Das liegt deutlich unter dem, was man als Normalwert verstehen würde. Es ist wichtig zu verstehen, dass Sie nicht die Normalwerte erreichen müssen. Die Natur hat hier einen Puffer eingebaut, so dass man auch darunter einigermaßen gegen Infektionen geschützt ist. Auch das ist etwas, was Sie mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer behandelnden Ärztin individuell besprechen sollten – wie ist meine persönliche Risikosituation.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Das sollten Sie individuell mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer behandelnden Ärztin besprechen. Wir haben in unserer Sprechstunde teilweise Kontrolltermine verschoben, wenn das aus medizinischen Gründen möglich war. In diesen Fällen haben wir die entsprechenden Patienten dann von uns aus kontaktiert. An einigen Stellen haben wir auf eine telefonische Besprechung der Blutwerte umgestellt. Und bei uns ist es so, dass die Patienten, die wir nicht kontaktiert haben, ihre Termine auch wahrnehmen sollen. Dazu haben wir bei uns relativ stark umstrukturiert, z.B. den Wartebereich angepasst, so dass Masken getragen werden, Abstand gehalten wird und wir bemühen uns die Wartezeit so kurz wie möglich zu halten. Wichtig ist, dass die Kontrolle über die Myelomerkrankung möglichst gut erhalten bleibt. Es wäre nicht gut, wenn alle prophylaktisch die nächsten Monate nicht mehr zum Arzt gehen und dann etwas passiert und die Erkrankung nicht mehr gut unter Kontrolle ist. Erkundigen Sie sich, wie das bei Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin geregelt ist.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Viele Myelompatienten sind aufgrund des durchschnittlichen Erkrankungsalters von 70 Jahren allein schon aufgrund des Alters in der Risikogruppe für schwere Verläufe von COVID-19. Diese Menschen sollten möglichst wenig Kontakt mit Menschen haben, die als klassische Infektionsüberträger dienen können und dazu gehören leider auch kleine Kinder, d.h. die Enkelkinder und Familienangehörige, die viel Außenkontakt haben. Das heißt, es ist leider schon eine relativ starke Empfehlung, die physischen Kontakte auf ein Minimum zu begrenzen. Es sollten also wirklich nicht die Großmütter sein, die aktuell auf kleine Kinder aufpassen. Das kann helfen, Myelompatienten so gut wie möglich zu schützen. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan und eine Isolation macht keinen Spaß. Es ist daher wichtig, gemeinsam zu überlegen und Wege zu finden, um trotzdem in Kontakt zu bleiben und zu schauen, wie man als Angehöriger unterstützen kann. Und alle Dinge, die der Gesundheit guttun, wie z.B. Spaziergänge draußen, sind sehr empfehlenswert und unterstützen das Immunsystem.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Warmes Wasser ist immer besser als kaltes, aber waschen Sie Obst und Gemüse so wie immer und essen Sie ausreichend davon.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Normalerwiese bin ich keine Befürworterin von Handschuhen. Aber in diesem Zusammenhang können Handschuhe durchaus sinnvoll sein als zusätzliche Barriere. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist, dass man diese Barriere immer gleich einsetzt. D.h. zum Beispiel wenn man das Auto noch zum „Zuhause“ zählt, dann sollte man die Handschuhe immer nach dem Einkaufen ausziehen, bevor man ins Auto einsteigt. Oder man entscheidet, dass das Auto nach draußen gehört, dann behält man die Handschuhe so lange an, bis man zuhause ankommt. Aber die Handschuhe dürfen kein falsches Gefühl der Sicherheit geben. Handschuhe dürfen auf gar keinen Fall das Händewaschen ersetzen, d.h. in jedem Fall als erstes nach dem Nachhausekommen vom Einkaufen die Hände waschen. Das ist wahrscheinlich deutlich wichtiger als die Handschuhe am Einkaufswagen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Das ist noch nicht abschließend geklärt. Prinzipiell kann das Virus über noch eine Weile auf Oberfläche leben, gerade wenn diese viel benutzt werden und möglicherweise kurz vorher jemand angefasst hat, der das Virus auf den Handflächen hatte. Deshalb ist die Händehygiene so wichtig, weil das die Übertragung am stärksten beeinflusst. Es ist allerdings auch nicht so, dass wir davon ausgehen, dass Viren ewig lange leben auf Oberflächen. Von daher muss man auch keine Angst vor seiner eigenen Herdplatte haben.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Das ist die sogenannte Inkubationszeit, bei der wir am Anfang von ca. 4-5 Tage ausgegangen sind. Das kann aber auch deutlich länger sein – deswegen gibt es das Zeitfenster von 14 Tagen, innerhalb derer die Symptome dann ausbrechen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Auf jeden Fall. Aber es sollte nicht nur auf SARS-CoV-2 getestet werden. Unser Anliegen ist auch, sich nicht nur komplett auf Corona zu fokussieren, vor allem, wenn Krebstherapien bevorstehen. Denn wenn Sie Atemwegsbeschwerden inkl. Husten und Halsschmerzen haben, kann das auch etwas anderes sein. Es wäre falsch zu sagen, es ist alles in Ordnung, wenn der Coronatest dann negativ ist – Sie können ja auch eine schwere Erkrankung von einem anderen Virus bekommen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: So wie Sie immer ihre Erkältungserkrankungen behandeln. Es gab eine gewisse Welle, dass man möglicherweise mit bestimmten Entzündungshemmern vielleicht einen Schaden anrichtet, das ist wahrscheinlich Unsinn. Es gibt aktuell keinen Grund, etwas anders zu machen als sonst. Der einzige Unterschied ist, dass Sie in stärkerer ärztlicher Kontrolle sein sollten. Während man bei anderen Erkältungskrankheiten den Patienten empfiehlt nach Hause zu gehen und sich auszukurieren, sollte beim Coronavirus der Kontakt zum Arzt enger sein, da der klinische Verlauf so untypisch ist. COVID-19 fängt harmlos an und das dicke Ende kommt dann erst später. Das ist andersherum, als wir es bei anderen respiratorischen Viren kennen. Von daher: Hausmittel und Maßnahmen so wie sonst auch, aber häufigerer Kontakt zum Arzt (z.B. alle 2-3 Tage mal anrufen) und auch bei Verschlechterung schneller in Klinik, als sie das sonst normalerweise machen würden.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Ja, es gibt lokale Telefonberatungen, Fiebersprechstunden und Hotlines – am besten die Kontakte lokal rausfinden.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Das ist relativ klar definiert. Intravenöse Immunglobuline sind zugelassen für Patienten, die einen IgG unter 4 haben, was deutlich niedriger ist als der untere Normalwert, und die schon Infektionen hatten. Also eine Gabe einfach nur so ist nicht zugelassen und wird auch von der Kasse nicht übernommen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Hier geht es um Antikörper-Sammlungen von Menschen, die die COVID-19 Erkrankung schon durchgemacht haben. In dem Plasma dieser Menschen sind Antikörper gegen das Coronavirus drin und man erhofft sich, dass diese dann einen Effekt haben könnten, ähnlich wie eine passive Impfung. In der Petrischale funktioniert das, die Antikörper neutralisieren tatsächlich. Insofern macht man sich große Hoffnungen, das muss sich in der klinischen Praxis allerdings noch bewähren. Trotzdem ist das ein sehr sinnvolles Produkt und es wird intensiv daran geforscht, das Plasma gewonnen und es gibt Studien dazu. Persönlich finde ich das eine sehr sinnvolle Idee und hoffe, dass man da schnell weiterkommt.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Ja, ich denke schon – mit allen Schutzmaßnahmen, die alle anderen aktuell auch befolgen sollen. Das ist ein ganz wichtiger Appell, dass ausreichend Schutzausrüstung verfügbar ist, für alle, die sie im Gesundheitsbereich dringend brauchen. Sie sollten also auf jeden Fall ausreichend Schutzausrüstung bekommen, können dann aber entsprechend arbeiten.  

Prof. von Lilienfeld-Toal: Das Fitnesstudio würde ich so ähnlich betrachten wie das Einkaufszentrum. Wenn man aufpasst, dass man wenig Kontakt zu den Flächen dort hat, kann man das wahrscheinlich riskieren. Persönlich empfehle ich meinen Patienten allerdings lieber in den Wald oder Park zu gehen, wo man wirklich gut Abstand halten kann und nichts anfasst, was jemand anderes angefasst hat. Aber das ist eine Einschätzung, die man selbst treffen muss. Wichtig ist, sich im Fitnessstudio auf keinen Fall selber ins Gesicht zu fassen und danach gründlich die Hände zu waschen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Wir gehen davon aus, dass ein Mensch, der die Infektion durchgemacht hat, zumindest für eine Zeit immun ist und dann andere nicht anstecken kann. Die Frage nach Zweitinfektionen oder Neuinfektionen ist durch die Presse gegangen. In der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion gehen wir davon aus, dass dies nicht stimmt, sondern eher nur ein sehr langsamer Verlauf von einer Infektion ist. Und dass man in der Mitte dieser Infektion fälschlicherweise unauffällige Befunde erhoben und gedacht hat, dass die Infektion vorbei ist, dabei stimmte das nicht. D.h. aktuell gehen wir davon aus, dass es Zweitinfektionen so rasch danach nicht gibt, sondern eher verschleppte Erstinfektionen sind. Und das ändert natürlich die Situation ihrer ersten Frage – wenn dieser Mensch noch gar nicht fertig ist mit der Infektion, dann kann er natürlich prinzipiell auch andere noch anstecken. Wobei man schon sagen muss, dass die Ansteckungsfähigkeit generell nach der ersten Woche dramatisch abnimmt, auch bei den schwer erkrankten Patienten.  

Prof. von Lilienfeld-Toal: Wenn es geht ja. Das ist eine schwierige Abwägung. Man muss z.B. prüfen, wie groß und überschaubar der Kindergarten ist und auch wie in dem Moment die Epidemiologie vor Ort aussieht. Aber ein 4,5 Jahre altes Kind im Kindergarten und ein Myelom, was erst ein Jahr alt ist, ist eine relativ risikoreiche Konstellation.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Mit den Kindern besprechen, wie man einen Weg finden kann, dass möglichst keine Infektionen auftreten. Das 11-jährige Kind ist ja wahrscheinlich im Moment auch noch zuhause. Da sollte man überlegen, wie man die Quarantäne so einhalten kann, dass da kein Durchbruch ist. Und das 17- jährige Kind wird wahrscheinlich in die Schulabschlussphase gehen, ist aber andererseits vielleicht auch schon mehr in der Lage zu verstehen, was es mit Abstand etc. auf sich hat. Es sollte geschaut werden, dass möglichst kein Kontakt und keine Risikokonstellation entsteht.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Relativ hoch. Deshalb gibt es immer der Hinweis, dass man sich nicht mit den Händen in die Augen fassen oder reiben soll. Das Virus kommt nicht durch die Luft in die Augen geflogen – zumindest nicht bei den Abstandsregeln, sondern es wird durch die Hände dort rein getragen.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Da streiten wir uns ein bisschen unter den Wissenschaftlern. Im Moment würde ich sehr genau schauen, welche Therapien der Patient aktuell braucht. In manchen Situationen kann es sein, dass man es ggf. vertreten kann, in eine Erhaltungstherapie zu gehen. Aber grundsätzlich ist es so, dass nur die Patienten eine zweite Hochdosistherapie bekommen, bei denen wir davon überzeugt sind, dass sie diese auch brauchen und dann muss man die auch machen. Und da wir aktuell in Deutschland eine relativ gute Situation haben, was die Epidemiologie betrifft, sind im Moment auch die Kapazitäten in den Krankenhäusern ganz gut. Wenn eine zweite Hochdosis also notwendig ist, würde ich sie lieber jetzt machen, als zum Beispiel im Herbst oder Winter, wo wir gar nicht wissen, was auf uns zukommt.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Davon geht kein Risiko aus. Blutprodukte können die Infektion nicht übertragen, von daher können Sie diese ruhig bekommen. Selbst Blutspenden sollten Sie als Myelompatient sowieso nicht.

Prof. von Lilienfeld-Toal: So wie Quarantäne sonst empfohlen wird, d.h. über 14 Tage. Bevor Sie also in eine stationäre Therapie gehen, empfehlen wir eine Quarantäne von 14 Tagen, z.B. vor einer Hochdosistherapie. Ansonsten haben wir beim Myelom viele Therapien, die langfristig gegeben werden und da ist Quarantäne ein dehnbarer Begriff – einfach so wenig soziale Kontakte wie möglich langfristig.

Prof. von Lilienfeld-Toal: Wir haben keinen Anhalt dafür, dass Rheuma das Risiko erhöht.  Viele Rheumapatienten bekommen Medikamente, die das Immunsystem ein bisschen dämpfen, von daher haben wir das Gefühl, dass dies keinen schwereren Verlauf macht. Ich würde hier keine besondere Risikokonstellation sehen.


Frau Prof. von Lilienfeld-Toal ist Professorin für Infektionsforschung in der Hämatologie/Onkologie und stellvertretende Klinikdirektorin in der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Jena. Zusätzlich ist sie die 2. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie. Sie ist Verfasserin von nationalen und internationalen Leitlinien zum Umgang mit Krebspatienten zu COVID-19-Zeiten und als ausgewiesene Myelomexpertin hervorragende Ansprechpartnerin für Ihre Fragen zum Umgang mit der Erkrankung in Zeiten des Coronavirus.

Zuletzt aktualisiert: 24.06.2020
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